Begräbnisstätte Esterwegen

Die heute direkt an der Bundestraße 401 gelegene Begräbnisstätte Esterwegen wurde 1933 für die Toten der Konzentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum angelegt. Nach deren Auflösung als KZ und ihrer Übernahme als Strafgefangenenlager fanden hier weiterhin Tote dieser und der neuen Strafgefangenenlager Aschendorfermoor, Brual-Rhede, Walchum und Oberlangen ihre letzte Ruhestätte. Auch die in Esterwegen und Börgermoor gestorbenen und in Lingen hingerichteten Nacht- und Nebel-Gefangenen“ wurden hier beerdigt, ebenso zwei sowjetische Kriegsgefangene aus dem Kriegsgefangenenlager VI C Bathorn, die 1944 bei einem Arbeitskommando in Klostermoor umkamen.

Im März 1946 dokumentierte eine Untersuchungskommission der Alliierten 1.295 Gräber; der Friedhof war in Gräberfelder unterteilt, die zwischen 4 und 18 Reihen von jeweils 18 Einzelgräbern aufwiesen. 1946/1947 ging die Gräberliste jedoch verloren; heute zeigt sich der Friedhof namenlos.

In der Nachkriegszeit wurden verschiedene Umbettungen durchgeführt: Die Leichen der Nacht- und Nebel“-Häftlinge wurden 1948/49 exhumiert und in ihre Heimatländer zurück gebracht. 1955 wurden 71 Tote aus jenem Bereich, den man für den Begräbnisort der KZ-Häftlinge hielt, nach Versen umgebettet, da man nur sie als Opfer des Nationalsozialismus betrachtete, während die anderen Toten als gewöhnliche Straftäter“ galten.

Hinter dieser Klassifizierung stand die Absicht, den Friedhof nach Ablauf der Ruhefrist einebnen zu können. Doch dagegen regte sich Protest: Ehemalige Häftlinge und die Gewerkschaftsjugend errichteten 1963 einen Gedenkstein für Carl-von-Ossietzky und störten damit diese Art der „Entsorgung von Vergangenheit“ erheblich. Die Behörden ließen daraufhin einen zweiten Stein aufstellen mit der Inschrift: Zum Gedenken an die im Konzentrationslager Esterwegen umgekommenen Opfer des Nationalsozialismus. Ihre sterblichen Überreste ruhen auf der Gräberanlage in Versen.“ Den zweiten Teil dieser diskriminierenden Inschrift wurde im Sommer 1969 von einer Gruppe junger Papenburger über Nacht kurzerhand ausgemeißelt. Erst dann ließen die Behörden den Stein wieder entfernen.

In den Jahren 1972/73 wurde der Friedhof einer völligen Neugestaltung unterzogen und erhielt seine jetzige Form; dabei wurden auch alle mit Namen gekennzeichneten Grabkreuze entfernt. 1981 errichtete das Land Niedersachsen zudem eine Gedenkhalle. 1985 wurde im vorderen Bereich des Friedhofs ein Gedenkstein für die luxemburgischen Opfer der Lager errichtet; 2004 kam ein Denkmal zur Erinnerung belgischer Freimaurer hinzu, die an die Gründung einer Freimaurerloge unter den 1943 im „Lager Süd“ in Esterwegen inhaftierten belgischen Gefnangenen erinnert.