Veranstaltungen

Freitag, 24.09.2021, bis Mittwoch, 29.09.2021

DIZ-Autumn School: Digitale Forschungsplattform zu Selbstzeugnissen aus den Emslandlagern

Selbstzeugnisse von Häftlingen sind ein zentraler Bestandteil der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrations-, Strafgefangenen- und Kriegsgefangenenlager. Sowohl während als auch nach der Haft hielten Häftlinge ihre Erlebnisse und die Sicht auf diese in Briefen, Zeichnungen, Berichten oder Schnitzereien fest oder erzählten ihre Lebens- und Verfolgungsgeschichten in Interviews. Viele dieser manchmal unscheinbaren Objekte, Texte und Bilder wurden von den Überlebenden und von Freunden und Angehörigen der Gefangenen jahrelang bewahrt und an Gedenkinitiativen und Gedenkstätten übergeben.

In Ausstellungen, Forschungen und Bildungsarbeit haben Selbstzeugnisse einen besonderen Stellenwert und seit einigen Jahren befassen sich Gedenkorte zunehmend mit ihrer digitalen Erfassung, Erschließung und Präsentation. Unter der Leitung von Prof. Dr. Habbo Knoch startete das Aktionskomitee DIZ Emslandlager, gefördert von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und der Klosterkammer Hannover, im vergangenen Jahr ein entsprechendes Projekt in Zusammenarbeit mit dem Cologne Center for eHumanities: Selbstzeugnisse sollen über eine digitale Forschungsplattform erschlossen werden, indem sie kontextualisiert und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Ziel ist es, die Selbstzeugnisse digital zu erhalten, zu erschließen und einer größeren (Forschungs-)Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei werden mit dem Vorhaben auch aktuelle Forschungsfragen der Digital Humanities im Bereich der Vernetzung heterogener Quellentypen und der Erfassung und Erforschung von Emotionen adressiert.

Vor diesem Hintergrund lädt das Aktionskomitee DIZ Emslandlager vom 24.-29.09.2021 zu einer Autumn School in Papenburg ein, die sich dem Zusammenhang zwischen Selbstzeugnissen, Digitalität und Erinnerungen widmet. Angesprochen sind Studierende der Bachelor- und Masterphase sowie junge Erwachsene, beispielsweise während des Freiwilligen Sozialen Jahrs oder eines Volontariats. Die School bietet eine Einführung in die Geschichte der Gefangenen der Emslandlager und die Sammlung des DIZ Emslandlager, verbunden mit einer Fahrt in die Gedenkstätte Esterwegen. Im Mittelpunkt der Autumn School steht neben den Grundlagen der geplanten digitalen Forschungsplattform die Arbeit mit konkreten Objekten aus der Sammlung. Beispielorientiert soll erarbeitet werden, wie eine Umsetzung der Selbstzeugnisse in eine digitale Arbeitsumgebung aussehen kann, welche Chancen dies bietet und was dabei zum Beispiel in ethischer, rechtlicher und gedenkstättenpädagogischer Hinsicht zu berücksichtigen ist. Eigene Präferenzen bei der Auswahl von zu bearbeitenden Quellen und Objekten oder Bezüge zu anderen Gedenkstätten werden dabei gern berücksichtigt.

Die Veranstaltung findet vom 24.09.-29.09.2021 in Papenburg statt. Für Unterkunft und Verpflegung ist dabei ein Eigenanteil von 50€/Person zu entrichten. Sollte sich die Infektionslage derart verschärfen, dass eine Präsenzveranstaltung nicht möglich ist, wird im gleichen Zeitraum eine digitale Alternative angeboten. Aufgrund der andauernden Covid-19-Pandemie und um eine gute und konzentrierte Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten ist die Teilnehmerzahl auf 15 begrenzt. Entsprechend bitten wir um ein kurzes Motivationsschreiben (max. 1 Seite) bis zum 27.08.2021. Rückmeldung erhalten Sie bis 03.09.2021. Ein ausführliches Programm lassen wir Ihnen nach einer Zusage zeitnah zukommen.

Bei Fragen und zur Bewerbung wenden Sie sich gerne an Corinna Bittner: corinna.bittner@diz-emslandlager.de

Freitag, 12.11.2021, bis Sonntag, 14.11.2021

Erben der Erinnerung. Der Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus in der 2. und 3. Generation

Die Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus sind mit dem Tod der direkt Beteiligten, der sog. „Erlebnisgeneration“, lange nicht vorbei. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben. Sowohl Opfer als auch Täter des nationalsozialistischen Regimes haben auf diese Weise ihre Erfahrungen oft unbewusst in das Gedächtnis ihrer Familie übertragen und ihre Nachfahren zu den Erben ihrer Geschichte gemacht. Nun sind es die Nachfahren, die sich vermehrt zu Wort melden und die den Dialog suchen.
Heute, da sich der Wechsel der Generationen fast vollständig vollzogen hat, stehen wir vor der Frage, wie verantwortungsbewusst mit diesen ererbten Zeugnissen umgegangen werden kann. Verschiedene Antworten liefern zahlreiche publizistische Erzeugnisse der letzten Jahre, in denen sich Angehörige der nachfolgenden Generation zu Wort melden.
Wir wollen in diesem Seminar den Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Täter- und Verfolgtenfamilien der zweiten und dritten Generation aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und auch der Frage nachgehen, wie sich die Gesellschaft diesem Thema bisher gestellt hat. Darüber hinaus sollen Perspektiven für einen zukünftigen Umgang mit Erinnerung diskutiert werden.

Das Seminar findet in Kooperation mit der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte (HÖB) Papenburg und der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen statt.