Wir sind nicht neutral – eine Kampagne der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Celle, 01.09.2026. Im September stehen verschiedene Wahltermine an: Kommunalwahlen in Niedersachsen (13. September), Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (6. September) und Mecklenburg-Vorpommern (20. September) sowie in Berlin zum Abgeordnetenhaus (ebenfalls 20. September). Es wird viel diskutiert, es wird gestritten und es werden Kompromisse ausgehandelt werden – denn das alles ist, was Demokratien ausmacht. Wir beobachten aber auch Tendenzen zur Polarisierung und zur Spaltung. Und das bedroht unsere freiheitliche Demokratie. Mit der Kampagne „Wir sind nicht neutral“ möchten wir auf Polarisierungs- und Spaltungsversuche aufmerksam machen und rufen dazu auf, demokratisch zu handeln und zu wählen.
Austausch, Streit und Kompromisse
Wir befürworten den Austausch von und auch den Streit über verschiedene Ideen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Idee demokratisch ist und auch nicht, dass jede Partei versucht, die Lebensbedingungen für die Menschen im Land tatsächlich zu verbessern. Demokratie lebt davon, vielfältige Interessen und Bedürfnisse zuzulassen und immer wieder Kompromisse auszuhandeln, die dieser Vielfalt gerecht werden. Und die auch Minderheiten die Möglichkeit geben, frei zu leben. Der Versuch einer Spaltung in ein „Wir gegen Die“ gefährdet dieses Zusammenleben.
„Neutralität bedeutet Feigheit“
Einen Extremfall einer Partei, die demokratisch legitimiert die Demokratie abgeschafft, Politik ausschließlich für ein rassistisch geprägtes „Wir“ gemacht und auf dieser Grundlage eine brutale Verfolgungs- und Vernichtungspolitik gegen politische Gegner und Minderheiten geführt hat, zeigt uns die Geschichte des Nationalsozialismus.
Wir schließen uns hier den Worten des Bergen-Belsen-Überlebenden Ivan Lefkovits an, der in seiner Rede zum 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen sagte: „[Neutralität] ist etwas von hohem Wert – aber nur, wenn man am runden Tisch diskutiert. Für uns, die Überlebenden, ist Neutralität eher eine Last. In Zeiten der Gefahr dürfen wir nicht neutral bleiben. Heute, 80 Jahre nach dem Holocaust, bedeutet Neutralität eigentlich Feigheit. Dante Alighieri sagte einmal, die heißesten Plätze in der Hölle seien für diejenigen reserviert, die neutral bleiben und allem zustimmen.“
Über die Kampagne „Wir sind nicht neutral“
Mit unserer Kampagne „Wir sind nicht neutral“ thematisieren wir die Wichtigkeit, sich sachlich und demokratisch zu streiten, ziehen zugleich aber eine klare Grenze bei menschenverachtender, rassistischer und antisemitischer Politik. Dazu haben wir vier Slogans entwickelt, die wir auf Postkarten und Sticker drucken und über Soziale Netzwerke streuen werden:
- Wir sind nicht neutral – Wir verteidigen Geschichte gegen Relativierung
- Wir sind nicht neutral – Hass und Hetze haben in Demokratien keinen Platz
- Wir sind nicht neutral – Diskriminierung ist keine Meinung
- Wir sind nicht neutral – Menschenrechte sind nicht verhandelbar
Über uns
Die Kampagne wurde von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Trägerin der Gedenkstätte Bergen-Belsen und der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel entwickelt. Mit unserer Arbeit engagieren wir uns für ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und erinnern an die unzähligen Verbrechen dieser Zeit. Durch die vielfältigen Angebote historisch-kritischer Bildung vermitteln wir in unseren Gedenkstätten nicht nur die Vergangenheit, sondern fördern immer auch eine kritische Reflexion der Gegenwart.
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