Musik-CD Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager
 

"Weiß ich, was ein Mensch ist?"
- Lieder gegen das Vergessen -

ein Musikprojekt des Dokumentations- und lnformationszentrums (DIZ) Emslandlager und der Gruppe ARGUS, Bremen

Im Sommer 1995 entwickelten das Dokumentations- und lnformationszentrum (DIZ) Emslandlager und das Bremer Ensemble ARGUS das Konzept für ein histolisches Musikprojekt mit dem Titel "Weiß ich, was ein Mensch ist?" Lieder gegen das Vergessen. Das Projekt, das an frühere Kooperationen zwischen dem DIZ und ARGUS anknüpft, ist in seinem Umfang beständig gewachsen. Das bearbeitete Liedmaterial umfaßt mittlerweile 30 Kompositonen mit einer Gesamtspielzeit von mehr als 80 Minuten und ist 1997 auf einer Doppel-CD komplett veröffentlicht worden.
Der Tonträger wird durch ein ausführliches Beiheft ergänzt, das neben den Liedtexten historische Hintergrundinformationen und Überlegungen zur Bedeutung antifaschistischer Lieder für die Gegenwart enthält.
Was die Zusammenstellung der historischen Kompositionen angeht, gibt es unseres Wissens in der Bundesrepublik gegenwärtig kein vergleichbares Projekt. Der zeitliche Bogen des Materials spannt sich vom Ende der Weimarer Republik bis in die 70er Jahre: Lieder von Bertolt Brecht und Hanns Eisler (darunter Auszüge aus den "Ernsten Gesängen"), "Die Moorsoldaten", "Los campesinos" aus dem Spanischen Bürgerkrieg, bekannte und weniger bekannte Partisanen-, Widerstands- und Anti-Nazi Lieder aus Frankreich, Italien, Polen, Slowenien, Bulgarien, dem Ghetto von Wilna, der Sowjetunion und den USA, der Mauthausen-Zyklus von Mikis Theodorakis. In ihrer Vielfalt lassen die Kompositionen ein tiefgehendes Bild von Verfolgung, Unterdrückung und Widerstand unter dem NS-Regime entstehen; sie fragen zugleich nach dessen Voraussetzungen oder erzählen von den Wünschen und Hoffnungen, die die Menschen mit der Befreiung von dieser Herrschaft verbanden. Mit Chile und Südafrika werden am Ende auch Nachkriegsgesellschaften in den musikalischen Blick genommen.
All das wird von der Gruppe ARGUS in Bearbeitungen dargeboten, die auf der einen Seite ihren Respekt vor dem Lieddokument widerspiegeln, auf der anderen künstlerische und politische Haltungen zur Gegenwart ausdrücken. Die Musik des Ensembles, das für seine engagierte Kunst 1985 mit dem Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon ausgezeichnet wurde, ist somit historisch und aktuell, dabei unterhaltsam, nützlich, leidenschaftlich, nachdenklich, freundlich und nachdrücklich.


 

Die beteiligten Musikerinnen und Musiker

ARGUS - das sind:
Winfried Dippel: schlagwerk/gesang
Ulla Dunker: akustische gitarre/gesang
Brigitte Haase: cello/gesang
Andreas Lieberg: akustische gitarre/gesang
Sonja Müller: flöte/gesang
Wiebke Rendigs: gesang
Stephan Uhlig: akustistische gitarre/gesang und arrangements

Als Gastmusiker wirken bei den Aufnahmen mit:
Sigi Busch: kontrabass & Dietz Coldewey: gesang.


 

Die Titel

Mauthausen-Zyklus:
Text: Kambanellis / Musik:Theodorakis [1965]; Iakovos Kambanellis, geboren auf der griechischen Insel Naxos, Dramatiker, Filmregisseur, Schriftsteller, 1943-1944 Häftling des Konzentrationslagers Mauthausen.
1. Lied der Lieder (Song of Songs); 2. Antonis; 3. Der Deserteur (The Fugitive); 4. Wenn dann der Krieg vorbei ist (When War is over)

Der Graben
Text: Tucholsky / Musik: Eisler [1928 / 1959]; Hanns Eislers Vertonung des bekannten Textes von Kurt Tucholsky.

Oh Fallada, da Du hangest oder Ein Pferd klagt an
Text: Brecht / Musik: Eisler [1932]; ein Lied zu den sozialen Voraussetzungen des Nationalsozialismus.

Das Lied vom SA-Mann
Text: Brecht / Musik: Eisler [1931]; ein Lied zu den sozialen Voraussetzungen des Nationalsozialismus,

Lob des Kommunismus
Text: Brecht / Musik: Eisler [1931]; aus Bertolt Brechts Theaterstück "Die Mutter", das nach dem Roman von Maxim Gorki in Zusammenarbeit mit Slatan Dudow, Hanns Eisler und Günter Weisenbom entstand und 1932 als letzte Brecht-Arbeit vor der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten in Deutschland gespielt wurde.

Der Kälbermarsch
Text: Brecht / Musik: Eisier [1943]; aus Bertolt Brechts Theaterstück "Schweyk im Zweiten Weltkrieg" (geschrieben 1941-1944), eine Persiflage auf das "Horst-Wessel- Lied" der SA.

Die Moorsoldaten
Text: Esser, Langhoff / Musik: Goguel [1933]; entstanden im emsländischen Konzentrationslager Börgermoor; das wohl bekannteste KZ-Lied überhaupt, dessen historischer Entstehungszusammenhang durch Romantisierung und Folklorisierung oftmals verlorengegangen ist. Die A-cappella-Interpretation der Gruppe Argus geht zurück auf die originale Lagerfassung des Liedes.

Ballade von der "Judenhure" Marie Sanders
Text: Brecht / Musik: Eisler [1935]; entstanden nach den "Nürnberger Gesetzen" vom 15. September 1935 ("Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre").

Einheitsfrontlied
Text: Brecht / Musik: Eisler [1934]; der Versuch, mit "populären" musikalischen Mitteln zur Bildung einer humanistischen Einheitsfront gegen das sich stabilisierende NS- Regime beizutragen.

Los campesinos
Text: Aparicio / Musik: Casal [1936]; aus dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939), dem militärischen "Vorspiel" zum Zweiten Weltkrieg.

Ernste Gesänge
Musik: Eisler [1962]; Auszüge aus Hanns Eislers letzter und vielleicht reifster Komposition, die er kurz vor seinem Tod fertigstellte.
14. Vorspiel / Spruch. Text: nach Friedrich Höldedin
15. Asyl. Text: nach Friedrich Hölderlin
16. Traurigkeit. Text: nach Berthold Viertel
17. An die Hoffnung. Text: nach Friedrich Höldedin

Bilecanka
Text: Apih / Musik: Apih [1940]; das in Deutschland kaum bekannte Lied entstand im Lager Bileca (Jugoslawien/Slowenien).

Dzis do cebie
Text: unbekannt / Musik: unbekannt; ein Widerstandslied aus Polen, das von der Gruppe Argus "wiederentdeckt" wurde.

Chant des partisans
Text: Druon, Kessel / Musik: Mady [1943, geschrieben in London]; Lied der französischen Résistance.

Soija
Text: unbekannt / Musik: trad. [1943]; Partisanenlied aus der Sowjetunion; es erzählt die Geschichte eines 17jährigen Mädchens, das sich den Partisanen angeschlossen hatte und nach ihrer Gefangennahme gehängt wurde.

Bella ciao
Text: trad. / Musik: trad. [um 1943]; das bekannteste Lied der italienischen Partisanen und eines der international bekanntesten Widerstandslieder.

Ein dichter Nebel
Text: Transki / Musik: trad.; Parlisanenlied aus Bulgarien und vielleicht eines der melodisch schönsten europäischen Widerstandslieder überhaupt; in Deutschland ist es kaum bekannt.

Stalin wasn't stallin'
Text: unbekannt / Musik: unbekannt; gospelartiges, hierzulande kaum bekanntes Anti-Nazi-Lied aus den USA; 1942 aufgenommen durch das Golden-Gate-Quartett.

Zog nit keyn moi
Text: Glik / Musik: Pokras [1943]; entstanden im Ghetto von Wilna; das Lied wurde zur Hymne der jüdischen Partisanenbewegung in Osteuropa.

Die Glocken von Buchenwald
Text: Muradeli / Musik: Soboljew [nach 1945]; entstanden zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslages Buchenwald.

Erinnerung
Text: nach Hölderlin / Musik: Eisler [1943]; entstanden nach der militärischen Niederlage der Deutschen Wehrmacht in Stalingrad.

Das Lied des Händlers oder Angebot und Nachfrage
Text: Brecht/ Musik: Eisler [1930]; aus Bertolt Brechts "Die Maßnahme"; ein Lied zu den sozialen Voraussetzungen des Nationalsozialismus.

Manifiesto
Text: Jara / Musik: Jara [um 1970]; Victor Jaras einfühlsames musikalisches "Manifest" für menschliche Würde und soziale Gerechtigkeit. Nach Folterungen wurde er am 16. September 1973 von chilenischen Militärs ermordet. Deren Putsch war der Anfang einer Diktatur, die Vergleiche zur nationalsozialistischen nahelegte: Verfolgung, Vertreibung und Ermordung Andersdenkender, Bücherverbrennungen, Konzentrationslager.

Welele Mandela
Text: unbekannt / Musik: trad. [um 1975]; ein Lied gegen Apartheid/Rassismus im südlichen Afrika, das dazu aufruft, Nelson Mandela (seinerzeit inhaftiert) freizulassen.

 

Doppel-CD, 30 Titel, Gesamtspielzeit ca. 95 Minuten. Inkl. Beiheft mit Liedtexten und historischen Hintergrundinformationen. Preis: EURO 18,00 zzgl. Versandkosten

Die CD kann beim DIZ Emslandlager bestellt werden.